Warum es Freiberufler bei der Kreditvergabe nicht immer einfach haben.

Freiberufler Kreditvergabe

Millionen Menschen arbeiten in Deutschland als Freiberufler und verdienen dabei gut, dennoch verweigern ihnen Banken häufig Kredite. Begründet wird dies oft mit mangelnder finanzieller Sicherheit. Wie können Freiberufler ihre Chancen auf einen Kredit verbessern?

Rund zweieinhalb Millionen Menschen arbeiten in Deutschland auf eigene Rechnung und ohne Angestellte, beispielsweise als Anwälte, Übersetzer, Journalisten oder Lektoren, aber auch Paketboten. Etwa ein Drittel der Freiberufler hierzulande verdiente im Jahr 2012 brutto nur 8,50 Euro pro Stunde. Deswegen werden die Ein-Mann-Betriebe von den Banken nicht gerade hofiert.

Doch es gibt Hilfe. Die Ver.di-Selbständigenberatung Mediafon und weiß, dass viele Freiberufler Probleme haben, bei ihrer Bank einen Dispo- oder Konsumkredit zu bekommen. Deshalb vertritt die Gewerkschaft nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch die mehr als 30.000 Freiberufler aus dem IT- oder Medienbereich in Sachen Kreditanfragen.

Begründung der Kreditinstitute

Die Banken orientieren sich am Einkommen des Kreditnehmers, und dieses ist in der Regel bei Freiberuflern und Selbständigen häufig Schwankungen unterlegen. Banken in der EU müssen sich bei der Kreditvergabe an bestimmten Eigenkapitalvorschriften genannt „Basel III“ orientieren. Hier sind die Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Banken geregelt. Diese gesetzlichen Vorgaben führen häufig zu einem eher restriktiven Kreditvergabe-Verhalten, auch und insbesondere gegenüber Freiberuflern.

Chancen nutzen

Viele Banken bieten ihren Geschäftskunden spezielle Existenzgründungskredite und staatlich geförderte Darlehen an. Beispielsweise bietet die Ethikbank Kredite für Freiberufler an, die für geschäftliche Investitionen ab 10.000 Euro bis 500.000 Euro genützt werden können. In nur 10 Tagen erhält man hier die Kreditzusage, und das ohne Bearbeitungsgebühr. Die Laufzeit kann individuell bestimmt werden bei gleich bleibenden monatlichen Raten, die zum 15. oder zum 30. eines Monats abgebucht werden. Voraussetzung für einen Kredit ist ein Geschäftskonto bei der Ethikbank.

Wer als Freiberufler oder Selbstständiger einen Geschäftskredit beantragen möchte, sollte sich unbedingt gut vorbereiten. Je detaillierter die Unterlagen sind, desto genauer ist der Eindruck der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Neben den letzten Einkommensteuerbescheiden sollten, aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen und die Gewinn- und Verlustrechnungen der letzten Jahre vorgelegt werden. Banken wollen oft Einsicht in die Kontoauszüge des Privatkontos nehmen und erwarten die Vorlage einer Vermögensaufstellung. Auch bei der Selbstauskunft sollte der Antragsteller unbedingt sorgfältig vorgehen. Einige Banken verlangen zudem eine Selbstständigkeit von mindestens zwei Jahren, manchmal auch drei Jahren. Falls die Kreditaufnahme bei einer Bank nicht in Frage kommt, kann man sich an so genannte Kreditmarktplätze im Internet wenden, wo die Kreditnehmer Geld von einem privaten Anleger erhalten. Die Kredit-Plattformen haben den Vorteil, dass hier auch junge Selbstständige und Freiberufler Geld erhalten, die sonst von der Bank abgelehnt werden würden. Natürlich erfolgt auch in diesem Rahmen eine eingehende Prüfung des Kreditnehmers.

Fazit: Noch immer werden Freiberufler bei der Kreditvergabe stiefmütterlich behandelt, jedoch hat man auch als Ein-Mann-Betrieb realistische Möglichkeiten, seine Chancen auf einen Kredit zu erhöhen.

Foto: © Andrey Popov