Steht die Euro-Ratingagentur schon vor dem aus?

Die “Financial Times Deutschland” hat mit ihrem Beitrag über das mögliche “Aus” für die europäische Rating-Agentur für viel Aufsehen gesorgt. Ungeachtet der Tatsache, dass eine Roland-Berger-Sprecherin den Artikel versuchte zu entkräften, ist die Finanzierung des Projektes gegenwärtig nicht gesichert.

Ratingagentur

Die Euro-Ratingagentur schon vor dem AUS? Foto: © fotokalle - Fotolia.com

Die europäische Rating-Agentur – darum geht es im Einzelnen

Bereits während der Bankenkrise im Jahr 2008 kristallisierte sich heraus, dass aus europäischer Sicht eine europäische Rating-Agentur wichtig wäre. Gegenwärtig teilen sich drei amerikanische Agenturen den Markt allein. Es sind die Agenturen Moody’s, Fitch und Standard & Poor’s. Eine europäische Rating-Agentur sollte einen Gegenpol zu ihnen schaffen. Fehlanalysen, die eine Teilschuld an der Krise von 2008 tragen, sollten so vermeidbar werden.

Die Rating-Agenturen gerieten in der Vergangenheit nicht nur durch Fehleinschätzungen in die Schlagzeilen. Gut in Erinnerung ist noch die Ankündigung, Frankreich würde der AAA- Status verlieren. Die Expertise dazu wurde anschließend als technischer Fehler wieder kassiert. Aus europäischer Sicht waren die Bewertungen der Krisenstaaten immer wieder mit dafür verantwortlich die Eurokrise erneut anzufachen. Der Vorwurf aus der Politik lautete: Einseitigkeit in der Bewertung. Der Verdacht, die nationalen Interessen der USA würden eine Rolle spielen, der wurde ebenfalls laut.

Abhilfe schaffen sollte der Plan der Beraterfirma Roland Berger schaffen. Anders strukturiert, nicht als Kopie der bestehenden Systeme, sollte die europäische Rating-Agentur als Stiftung neue Wege gehen.

Der Plan für eine unabhängige europäische Rating-Gesellschaft wankt

Die angesehene Beratungsfirma Roland Berger geht gegenwärtig nicht davon aus, dass 300 Millionen Euro Startkapital von Anlegern eingesammelt werden können. Der ursprüngliche Plan, von 30 nicht staatlichen Anlegern die Summe zu gleichen Teilen zusammenzubekommen, stößt auf wenig Resonanz. Besonders auf deutsche und französische Großbanken hatte Berger mit seinem Projekt gehofft. Massiver Gegenwind, so berichtete die Financial Times Deutschland weiter, kam außerdem vom BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie).

Das ZDF spekuliert in einer Meldung sogar, die bestehenden Rating-Agenturen könnten der Grund für die Zurückhaltung der Investoren sein. – Wer sich als Investor an einer europäischen Rating-Agentur beteiligt, der könnte Repressalien beim eigenen Rating fürchten müssen.

Ganz begraben will die Firma Roland Berger die Idee nicht. Im kleinen Rahmen soll weiter daran gearbeitet werden. Eine weitere Möglichkeit für die Schaffung eines Gegenpols will die Bertelsmann Stiftung bieten. Auch sie hat das Ziel einer europäischen Rating-Agentur vor Augen. Anders als bei Berger soll der Staat bei der Finanzierung helfen. Der fade Beigeschmack staatlicher Einflussnahme wäre so allerdings nicht zu verhindern.

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