Der Versandhandel Quelle vor dem Ende?

Es kommt wieder Bewegung in die „Affäre Quelle“. Nach dem Insolvenzantrag des Mutterkonzerns Arcandor im Juni und monatelangen Verhandlungen, scheint man nun zu einem Ergebnis gekommen zu sein, bei dem der Versandhandel Quelle vermutlich auf der Strecke bleiben wird. Die Arcandor-Versandhandelssparte Primondo soll durch den Insolvenzverwalter Jörg Nerlich verkauft werden. Da Primondo nicht als Gesamtpaket zu verkaufen sei, habe man sich nun an höherer Stelle entschieden, den Konzern aufzuspalten und in Teilen zu verkaufen. Nerlich dementiert dies weiterhin und hält an dem Glauben an einen Gesamtverkauf fest. Doch skeptische Beobachter sehen die Entwicklungen kritisch, ließ doch sogar Nerlich vor ein paar Tagen auch Einzelangebote zu den Töchterunternehmen zu.

Machte 2007/2008 Quelle noch zwei Drittel des Umsatzes von Primondo aus, wird der Universalversender nun als höchst verlustbringend eingestuft. Während andere Töchter des Primondo-Unternehmens, wie zum Beispiel der Verkaufssender HSE24 oder Spezialversender Baby Hess, Verkaufsangebote bekommen, geht Quelle leer aus. Und das trotz treuer Kunden. Die Mitarbeiter des Unternehmens bangen nun erneut um ihre Arbeitsplätze, obwohl Nerlich im September mit den Banken ausgehandelt hatte, Quelle bis zum Jahreswechsel zu finanzieren. Doch jetzt soll innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Entscheidung fallen, kündigt Klaus Hubert Görg, Insolvenzverwalter des Mutterkonzerns Arcandor, an. Im Gespräch als möglicher Geldgeber ist immer noch die amerikanische Beteiligungsgesellschaft TPG, die bereits in mehrere Einzelhändler investiert und als starker Investor des Primondo-Konzerns gehandelt wurde, aber nun Rückzieher macht, da Quelle das Primondo-Gesamtpaket zu sehr mit einem erneuten Verlustrisiko behaftet. Auch die US-Investoren Cerberus und Golden Gate ziehen nach Berichten der Financial Times Deutschland ihre Angebote zurück oder interessieren sich ausschließlich für die Spezialversender. Quelle wird wohl auf der Strecke bleiben und damit auch die angegliederten Gesellschaften in Ost- und Mitteleuropa. Und auch der Rest der Primondo-Gruppe wird nicht unbeschadet aus den Verhandlungen hervorgehen, denn jetzt schon ist ein Abbau von 3500 Stellen geplant, der schneller als geplant umgesetzt werden soll.